Tag 5

Braunschweiger Hütte - Martin-Busch-Hütte

Nach einer ziemlich kurzen Nacht genehmigten wir uns ausnahmsweise mal ein Frühstück auf der Hütte, denn nach der längste Tagesetappe am Vortag brauchten wir die Kräftigung dringend. Gut genährt nahmen wir den Aufstieg zum Pitztaler Jöchl (3000 m) in Angriff. Zunächst ging es noch über Felder aus Gesteinsbrocken steil bergauf, doch der härteste Teil stand uns erst noch bevor...

Wir kämpften mit Eis und Schnee und teilweise auch mit dem Wind. Den letzten Teil zum Gipfel hinauf konnten wir uns nur noch an Eisenketten entlang nach oben hieven und wir waren sehr froh, dass vor uns schon Leute gegangen waren, die den Weg im Schnee ausgetreten hatten, sodass wir sehen konnten, wo sichere Tritte zu finden waren, denn unter dem Schnee hätte auch die ein oder andere tückische Spalte lauern können.

Oben angekommen machten wir nur ein kurzes Bild, bevor wir wieder abstiegen, denn der Wind war äußerst kalt. Der Abstieg zum Gletscherrestaurant war wohl das Härteste, was ich bislang beim Wandern erlebt habe. Steile, steinige Passagen, die komplett mit Schnee und Eis überzogen waren, prägten den Weg. Nur manchmal gab es Hilfen in Form von Stahlseilen und in den Berg geschlagenen Tritteisen. Alles in allem eine wahrhaft halsbrecherische Angelegenheit, eine ziemliche Adrenalinpackung und garantiert nichts für schwache Nerven. Oft ist man gerutscht und ich danke meinem Schutzengel, dass ich es heil bis nach unten geschafft habe!

Später hörten wir nämlich noch die Geschichte von zwei holländischen Mädels, die wir auf dem Weg immer wieder mal getroffen und überholt haben, die den Abstieg fast nicht geschafft hätten. Sie hatten völlig falsches Schuhwerk dabei (quasi Turnschuhe!) und ob der Umstände vor Ort dann nahezu einen Nervenzusammenbruch erlitten. Zum Glück war ein Bergführer in der Nähe, der eingriff und so Schlimmeres verhindern konnte, doch ich frage mich ernsthaft, wie man so verantwortlungslos sich selbst und Anderen gegenüber sein kann und derart schlecht informiert und vorbereitet auf einen so anspruchsvollen Trip gehen kann! Immerhin ist man auf dem E5 beim Bergwandern in einer hochalpinen Region, in der selbst im Sommer teils Schnee liegt...

 

Am Restaurant Rettenbachgletscher angekommen, wärmten wir uns kurz mit Tee auf, bevor der Bus kam, der uns ans andere Ende des Gletschers bringen sollte. Tatsächlich gibt es dazu keine echte sinnvolle Alternative, denn besagter Bus, ist der einzige, der den Rosi-Mittermaier-Tunnel durchfahren darf (der Tunnel ist für Fußgänger gesperrt!). Nach etwa 5 Minuten Fahrt stiegen wir auch schon aus und begannen vom Parkplatz den Abstieg nach Vent.

Landschaftlich schön bei Top Wetter mit endlich mal guten Wegen, rasten Phil und ich nur so dahin und auch die häufigen kleinen Gegenanstiege machten uns nichts aus. Es war wunderbar, zum ersten Mal genoss ich es, schnell voran zu kommen wie auf dem Camino, denn dies war mir bislang am E5 versagt geblieben. Auch führte der Weg durch eine Art Hochmoor, in dem erstaunlich schöne Blumen wuchsen.

In Vent machten wir erstmal ausgiebig in der Sonne Pause und füllten unsere Vorräte auf, sodass diese mindestens bis Vernagt reichen würden. Ich aß sogar eine richtig gute Pizza und war dann für den finalen Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte gestärkt. Dieser sollte laut Guide nur auf einer in angenehmem Tempo über 9 km ansteigenden Schotterstraße stattfinden. Das motivierte mich, denn ich hatte die mühsamen Kletterpartien auf den kaum noch als echten "Weg" zu bezeichnenden Strecken zu den anderen Hütten mittlerweile ziemlich satt.

Tierische Begleiter der E5-Wanderer beim Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte
Tierische Begleiter der E5-Wanderer beim Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte

Anfangs flogen wir nur so dahin und passierten abermals ein paar friedlich ganz nah neben uns grasende Steinböcke, bis ich schließlich bei jedem Schritt ein Zwicken in meinem rechten Knie zu spüren begann. Ab dann quälte ich mich wieder den Weg hoch, denn ich war nicht nur physisch angeschlagen, sondern die Situation machte mir auch mental zu schaffen und ängstigte mich. Ich biss auf die Zähne und kämpfte mich weiter. Zu allem Überfluss war ein Teil des gut gangbaren Schotterwegs auch noch wegen Steinschlags gesperrt. Daher mussten wir eine Umleitung auf der anderen Seite des Berges nehmen, die deutlich schwieriger zu gehen war. Nach einer Weile kehrte der Weg zum Glück auf die Schotterstraße zurück, die nun jedoch wesentlich steiler wurde.

Ich arbeitete mich förmlich im Schneckentempo die letzten Kilometer zur Hütte hoch und das erstmals unter dem sengenden Blick der Sonne, die uns bislang auf dem E5 ja fast gänzlich verwehrt geblieben war. Phil kam gut 10 Minuten vor mir dort an, doch ich war froh, es letztlich überhaupt geschafft zu haben!

Das Ziel der vorletzten Etappe des E5 fest im Blick: Die Martin-Busch-Hütte auf 2501 m
Das Ziel der vorletzten Etappe des E5 fest im Blick: Die Martin-Busch-Hütte auf 2501 m