Tag 1

Oberstdorf - Kemptner Hütte

Um 5 Uhr am Morgen riss mich mein Wecker nach nur 2-3 Stunden aus dem Schlaf. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf zum Bahnhof. Um 6 Uhr saß ich im Zug, in den Phil dann später noch zustieg.

Pünktlich um 9.39 Uhr erreichten wir Oberstdorf. Nach einem kurzen Stopp im örtlichen Supermarkt, um unsere Essensvorräte für die nächsten zwei Tage aufzufrischen, gönnten wir uns noch ein ordentliches Frühstück in einem Café, bevor wir uns dann endlich so richtig auf den Weg machten.

Die Gipfelstürmer bereit zum Durchstarten nach dem Frühstück im Café
Die Gipfelstürmer bereit zum Durchstarten nach dem Frühstück im Café

Anfangs war es noch ziemlich warm, doch bereits stark bewölkt und nur vereinzelt gelang es der Sonne noch, die Wolkendecke zu durchdringen. Wir hatten uns im Vorfeld schon auf das Schlimmste vorbereitet, denn der Wetterbericht ließ Übles vermuten. Nach der Hitzewelle in Bayern sollte es genau zu Beginn unserer Reise fast überall zu einem starken Temperatursturz kommen und die Alpen bildeten dabei natürlich keine Ausnahme. Es war nur also nur eine Frage der Zeit, bis der Regen losbrechen würde. Doch wir waren guter Stimmung und gegen jegliche Witterung gut vorbereitet und gewappnet.

So begann denn der erste Teil unserer Tagesetappe. Anfangs konnte man die Wege noch als Naherholungspfade und lokale Wanderwege der Oberstdorfer bezeichnen. Es gab kaum Steigung, die Wege waren gut begehbar und breit, das Gelände leicht, kurzum: eine Gegend zum Flanieren und Lustwandeln. Und so trafen wir auch zahlreiche Leute, die nur mit ihrem Hund oder einfach spazierengingen.

Unter dem nun leicht einsetzenden Regen erreichten wir die Spielmannsau. Hier trafen wir die ersten E5-Wanderer, deren Ziel wie auch für uns Meran hieß. Sie machten dort Rast und suchten Schutz vor dem stärker werdenden Regen. Wir gesellten uns ein wenig hinzu und plauderten etwas, doch verweilten wir nicht lange, denn wir waren erstens spät gestartet und zweitens brachte der Wetterumschwung auch eine deutliche Abkühlung mit sich.

So streiften wir also unsere Regenponchos über, um uns und vor allem unsere Rucksäcke vor dem Nasswerden zu schützen und machten uns an den nun rasch und steil einsetzenden Aufstieg zur Kemptner Hütte.

Phil und ich legten wie gewohnt ein gutes Tempo hin und überholten zahlreiche andere Wanderer. Die Aussicht war trotz des miserablen Wetters toll und wir begannen bereits zu erahnen, was für ein wunderbares Panorama die Alpen uns in den nächsten Tagen noch bieten würden.

Teils in einem ausgewaschenen Flussbett, nun über Stock und Stein, wurde der Aufstieg immer steiler und beschwerlicher. Auch dies sollte ein guter Vorgeschmack auf das sein, was uns noch erwarten würde...

Wenngleich der Poncho die Nässe von außen fern hielt, so waren wir aufgrund der Anstrengung schon bald völlig und bis auf die Unterwäsche und Schuhsohlen durchgeschwitzt. Als wir eine kleine Bergkapelle erreichten, rasteten wir nur kurz, denn der Wind setzte uns ordentlich zu.

Wir wussten dank unseres Wanderführers, dass es nun nicht mehr allzu weit zur Hütte sein konnte, und so mobilisierten wir noch einmal alle Kraftreserven für den letzten Aufstieg. Dabei wurden wir mit einem herrlichen Ausblick belohnt und tatsächlich tauchte urplötzlich nach einer Biegung des Flusses das lang ersehnte Gebäude wie aus dem Nichts vor uns auf. Wir hatten es zur Kemptner Hütte geschafft!

Ein willkommener Anblick: Die Kemptner Hütte auf 1844 m
Ein willkommener Anblick: Die Kemptner Hütte auf 1844 m