Titans Abstieg

Verjüngt durch neue, frühlingsfrische Liebe,

So schwebt Titan erneut umher auf Erden.

Denn nicht in des Olympos' Höhen droben,

Unten in der Menschen Welt, da ist das wahre Glück!

 

Drum stieg er ab ins Tal vom Sitz der Götter,

Von Sternenstaub äonenschwer umflort,

Ins Dunkle, Tiefe, ins Irdisch-Sterbliche sogar,

Zu küren SIE, die neue Herzensgöttin dort.

 

Sogleich fand er da eine junge, zarte Blume.

Wie reizend sie ihm schien im goldnen Glanze!

Sie trug der Unschuld jugend-schönes Antlitz.

Ihr Blick ging in sein Herz, erschütterte die Seele.

 

Wie von Sirenensang war er fortan gefangen.

Qualvoll brannt' in ihm ein lodernd' Feuer,

Die rote Lohe des Verlangens nur nach ihr,

Denn weit, so unerreichbar fern, war seine Rose.

 

Drum sang er laut und traurig war das Lied.

Die nächt'gen Hymnen seiner Herzensqual

Verhallten ungehört in Bach und Berg und Forst,

Betrauert nur vom alten Freund, dem Venusstern.

 

Da wuchsen Zweifel leise im Titanenherz

Und der Verzweiflung bittre Saat ging auf.

Verloren wähnt' er die so heiß geliebte Blume

Und wollt' ihr schon den Rücken kehren.

 

Da drang ein Seufzer - ach! - so leis' zu ihm,

Ein Odem puren Lichts aus ihrem Engelsmund,

Ein einzig' Wort nur, das die ganze Welt ihm war,

Im Kuss gehaucht, gespürt, gefühlt: "Die Liebe."

18.03.2015