Role Play Convention 2018

Bald ist es wieder soweit, die Kölner RPC (Role Play Convention) öffnet wieder einmal ihre Pforten! Seit 2007 findet das Ereignis nun schon statt, und seit 2009 in Köln. In den letzten Jahren erfreuten sich dabei über 30.000 Besucher an den zahlreichen dargebotenen Attraktionen.

Dazu gehören die klassischen Pen&Paper-Games, PC- und Konsolenspiele, Tabletop, LARP, Brett-, Karten- und Gesellschaftsspiele, Cosplay, allerlei fantastische Literatur und ein Mittelaltermarkt mit tollen Bands. Es ist also für jeden etwas geboten und für mich ein absolutes Highlight!

Für alle Nerds ist die RPC ein Muss und so werde auch ich dieses Jahr die Gelegenheit nicht auslassen und zum mittlerweile vierten Mal wieder hinfahren. Diesmal werde ich mit meinem Presseausweis unterwegs sein und allerlei Eindrücke sammeln, über die ich hier berichten werde.

 

Weiter unten noch eine schöne Zusammenfassung, die alle Facetten von der letztenjährigen RPC aufzeigt.


Tag 1, Samstag 12. Mai 2018

Empfang der Besucher am Eingang durch Imperiale Stormtrooper
Empfang der Besucher am Eingang durch Imperiale Stormtrooper

Begrüßung und überall Star Wars!

Endlich war es dann so weit, das lange Warten hatte ein Ende und ich konnte mich in das bunte Getümmel der RPC stürzen! Um 10 Uhr begab ich mich auf des Köner Messegelände...

Begrüßt wurde man als Besucher dabei gleich mal von einer Gruppe von Stormtroopern, die eifrig die Besucherscharen überwachten und für Zucht und Ordnung sorgten.

Überhaupt sah ich diesmal sehr viel Star Wars Cosplayer und sogar eine absolut großartige Ausstellung mit zahlreichen sehr detaillierten Modellen von Droiden, Raumschiffen etc.


Jaina Proudmoore und die "Lich Queen", Warcraft-Cosplayerinnen
Jaina Proudmoore und die "Lich Queen", Warcraft-Cosplayerinnen

World of Warcraft - Battle for Azeroth

Danach machte ich mich auf zum Stand von buffed.de, wo gerade eine Präsentation zum guten alten World of Warcraft stattfand.

Gott, wie habe ich dieses Spiel in den Anfangsjahren meiner Studienzeit gesuchtet! Stundenlang schlug ich mir in Azeroth die Zeit um die Ohren und stürzte mich mit 39 anderen Verrückten wie mir in epische Schlachtzüge gegen Elementarfürsten, Untote, Drachen oder uralte Götter. Auch wenn ich meine virtuellen Schwerter vor langer Zeit an den Nagel gehängt habe, so hat mich an WoW schon immer eines fasziniert: die lebendige Geschichte einer Fantasywelt, die stest von äußeren Gefahren und dem Krieg zwischen Allianz und Horde bedroht wird.

Darum also interessierte ich mich für die Vorstellung von WoWs neustem Addon Battle for Azeroth, der siebten (!) Erweiterung, die am 14. August erscheinen wird und sich gerade noch in der Beta befindet. Auf der Leinwand wurde eine Art Eröffnungsszenario gezeigt, das einmal aus Allianz- und einmal aus Hordesicht jeweils von bekannten Streamern gespielt wurde.

 

Nebenher erzählte die äußerst gut mit der komplexen Geschichte des Warcraft-Universums vertraute Moderatorin etwas über die Veränderungen, die die neue Erweiterung storytechnisch bringen wird. Ich wurde Zeuge der von vielen Spielern lang ersehnten Rückeroberung der ehemaligen Hauptstadt von Lordaeron, deren Ruinen die Verlassenen nach den Ereignissen aus Warcraft III besetzt und zu ihrer Kapitale Undercity gemacht hatten. Doch das Imp... äh die Allianz schlägt endlich zurück und erorbert, angeführt vom jungen König Anduin Wrynn, der mehr und mehr in die Rolle hineinwächst, die sein Vater jahrelang übernommen hatte, den symbolträchtigen Ort zurück. Aber auch die Horde ist nicht untätig. Unter der Führung der Bansheekönigin Sylvanas Windrunner wird in Kalimdor zum Sturm auf Darnassus, der Hauptstadt der Nachtelfen, geblasen. Am Ende steht ein glorreicher Sieg und der Weltenbaum Teldrassil geht in Flammen auf.

Als ich dann noch zwei wunderbare Cosplayerinnen, die Jaina Proudmoore und eine weibliche (!) Version des Lichkönigs darstellten, sah, musste ich natürlich zum Abschluss ein Foto von den beiden machen...

 

Rollenspielsession "Würfelwelt"

Als nächstes stand eine Spielrunde bei mir an. Schließlich heißt die RPC ja nicht umsonst Role Play Convention und immer, wenn ich dort bin, versuche ich auch einen Platz in den begehrten Runden zu ergattern. Nachdem es mir trotz früher Anreise leider nicht möglich war, bei meinem Lieblingssystem Call of Cthulhu mitzuspielen, machte ich mich mit meinen Freunden Daniel und Deborah auf, um nach Alternativen zu suchen. Wir standen vor einer großen Pinnwand und fanden tatsächlich noch eine Runde, in der sich niemand eingetragen hatte. Sofort nahmen wir die Gelegenheit wahr und stürzten uns zu dritt ins Getümmel.

Der Spielleiter, Uwe Vitz, stellte uns kurz das von ihm erschaffene System "Würfelwelt" vor, das in einer ebenfalls von ihm erdachten, riesigen Fantasywelt spielt. Über letztere erfuhren wir nur wenig, außer dass es Magie gab und wir uns in einer recht düsteren, zivilisatorisch kaum fortgeschrittenen Vorzeit befanden. Die Regeln waren ebenso schnell erklärt, denn eigentlich ging es nur darum, dass man sich einen Helden aussuchen musste, dessen einzige drei Werte (Schnelligkeit, Stärke, Geschick) zusammen addiert stets 10 ergaben und lediglich von der Profession des Charakters abhingen. Kein aufwändiges System also. Daniel wählte einen Krieger, Deborah eine naturliebende Hexe und ich einen Vampirjäger aus.

Dann ging es auch schon groß und ohne viel Vorrede in medias res los. Ein Magier hatte uns als Leibwächter angeheuert und so wohnten wir einem Treffen mit einem seiner Kollegen bei. Wir mussten jedoch draußen warten und das Haus sichern. Ein Schrei von drinnen ließ uns hinein eilen und wir sahen nur noch, dass eine dritte Person, eine Frau, die zuvor ebenfalls anwesend gewesen war, plötzlich zu Staub zerfallen war. Der fremde Magier hatte die Flucht ergriffen, während wir sofort zur Verfolgung ansetzten. Der Plot gibt nicht viel her und ist schnell zu Ende erzählt. Immer wieder versuchten wir vergeblich den Fliehenden zu stellen, der sich mit unheiligen Kreaturen und Magie zur Wehr dagegen setzte, während alle unsere Versuche ihn zu stoppen letztlich scheiterten. Die Tatsache, dass er unserern Auftraggeber, der nur noch apathisch auf seinem Pferd hinterher trottete, und eine Horde entführter Kinder mit sich schleppte und vorhatte, diese im Schloss einer finsteren Hexe zu opfern, machte das Ganze nicht gerade besser für uns. Wie schon erwähnt konnten wir trotz all unserer Versuche nichts bewirken und das Abenteuer endete mit einem "total party wipeout". Mein Vampirjäger war der erste, der ins Gras beißen musste, so dachte ich zumindest, denn eigentlich hatte der Spielleiter Daniels Krieger schon zuvor in den Wald gezerrt und getötet. Er kam zwar wieder zurück, doch war er nun ein Rattendämon, der nur auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen, wartete. Als ich abgelenkt war, griff er mich an und ich hatte keine Chance. Kurz darauf erwischten auch noch ein paar Zombie-Kinder die Hexe und das unrühmliche Ende war perfekt.

Damit kommen wir auch schon zu meinen Kritikpunkten. Ja, das System war einfach und stark auf das Erzählerische gehalten. Man brauchte keine Charakterbögen oder große Ausrüstungszettel, man konnte einfach drauf los spielen und alles lief schnell und flüssig ab. Aber genau darin lag eben auch das große Problem. Wir haben nicht wirklich versagt, weil wir uns dumm angestellt haben. Damit hätte ich keinen Schmerz gehabt. Ich bin als Spielleiter selbst der Erste, der die Party wipen lässt, wenn sie Unfug treibt oder unfähig ist. Wir aber hatten einfach nur eine 1/6 Chance zu gewinnen.

Was ich damit meine? Das System der Würfelwelt ist dermaßen simpel gehalten, dass es auch komplett random ist. Die Charaktere haben keine Skills oder Fähigkeiten, auf die sie proben müssen. Ständig versuchten wir, den Magier mit unseren bescheidenen Möglichkeiten zu stoppen. Stets kam vom Spielleiter da ein "Es gelingt dir, wenn du eine 6 würfelst." Und das war's dann auch. Wir hatten zwei- oder dreimal die Möglichkeit, etwas zu tun und dann nur eine geringe Erfolgswahrscheinlichkeit.

Die nicht vorhandene Komplexität des Systems sorgte auch dafür, dass es keine Fatepoints oder Ähnliches gab, um derartige Würfe zu wiederholen und gab uns keinerlei Möglichkeit, den Wurf zu beeinflussen oder unsere Chance, erfolgreich zu sein, irgendwie durch das Handeln unserer Charaktere zu erhöhen.

Mich hat das ziemlich frustriert. Daniel und Deborah sahen das Ganze etwas entspannter. Klar, wir hatten Spaß und wenn auf einer Messe mein Charakter stirbt, dann ist mir das prinzipiell egal. Aber ein System, das nur total random ist, ist nunmal nichts für mich, das habe ich wieder einmal herausgefunden. Dafür bin ich zu sehr ein taktischer Spieler, der sich dann "betrogen" fühlt, wenn er das Gefühl hat, dass es absolut nichts gab, was man hätte anders machen können (außer halt einfach mal eben eine verdammte 6 zu würfeln, kann ja wohl nicht so schwer sein!).

Mystic Vale, ein tolles Kartenspiel, bei dem man Karten "baut"
Mystic Vale, ein tolles Kartenspiel, bei dem man Karten "baut"

Proberunde Mystic Vale am Pegasus-Stand

Danach ging es zu den netten Leuten am Stand des Pegasus Verlags, wo ich mich auch in den letzten Jahren immer am liebsten aufgehalten habe, und das nicht nur wegen Call of Cthulhu!

Letztes Jahr hatte ich dort das wunderbare Spiel Boss Monster kennengelernt und gleich mit heim genommen und im Jahr zuvor hatte ich sehr gern Mage Wars gespielt.

Zweimal habe ich diesmal Mystic Vale gespielt, einmal mit Aerith und SaT und dann nochmals mit Deborah und Daniel. Uns allen fünf hat es sehr gut gefallen und ich werde demnächst eine extra Rezension zu diesem tollen Spiel schreiben.

Mittelaltermarkt und Jan Hegenberg

Zum Abschluss habe ich den langen Messetag dann am Ende noch draußen auf dem Mittelaltermarkt ausklingen lassen. Das Wetter war, im Gegensatz zum zweiten Tag, wo es durchgehend in Strömen geregnet hat, super und so haben die Leute im Freien die sommerliche Stimmung genossen. Neben all den Verkaufs- und Essensständen und der Spielfläche, wo man Jugger ausprobieren konnte, gab es natürlich wie immer auch noch eine Bühne, auf der mittelalterliche oder nerdige Bands spielten. Am Ende kochte die durch Kölsch und Met aufgeheizte Stimmung und als Jan Hegenberg "ihr tanzt in Dalaran im Kreis" sang, bewegte sich tatsächlich eine ausgelassene Polonäse in der Fröhlichkeit Kölscher Jecken durch die Menge. Ich war leider etwas zu langsam, um mein Telefon zu zücken und das Ganze zu filmen, doch dafür habe ich vom folgenden Song, wo das Publikum noch immer sehr gut drauf war, ein kleines Video gemacht, das ich dem geneigten Leser natürlich nicht vorenthalten will.


Tag 2, Sonntag 13. Mai 2018

Eröffnung durch den Imperator

Am zweiten Tag war ich früh genug da, um die Eröffnung der Messehalle mitzubekommen. Kein Geringerer als der Imperator aus Star Wars, von zwei seiner ikonischen Leibwachen in Rot begleitet, war es, der den Besuchern voran schritt.

Mein Cthulhu-Charakter, der Schriftsteller Alfred Bloch
Mein Cthulhu-Charakter, der Schriftsteller Alfred Bloch

Call of Cthulhu "Golem"

Um den Fehler vom ersten Tag nicht zu wiederholen, hetzte ich sofort zum Pegasus-Stand, wo ich diesmal tatsächlich noch einen Platz in den äußerst begehrten Runden von Cthulhu ergattern konnte.

Die Story, in die ich mit vier weiteren Ermittlern direkt hineingeworfen wurde, spielte nicht wie meist bei Cthulhu üblich in den 1920er Jahren, in denen die meisten von H. P. Lovecrafts Werken angesiedelt sind, an denen sich das Rollenspiel ja orientiert. Vielmehr verschlug uns das Szenario in das Prag der Habsburger-Monarchie irgendwann im Zeitalter des Gaslichts, vor der Jahrhundertwende also.

Wie meist bei Con-Abenteuern wurden wir gleich in die Handlung geworfen. Wir erwachten allesamt recht verkatert in einer Kneipe, in der sich außer uns niemand befand. Seltsamerweise waren wir alle mit einer art lehmigem Staub bedeckt und konnten die Gedanken der jeweils anderen hören! Nach den anfänglichen Schockmomenten rissen wir uns aber zusammen und begann die üblichen Fragen zu stellen: Wo waren wir? Was war passiert?

Die Beantwortung dieser erwies sich als äußerst schwierig, denn außer uns war niemand anwesend und wir wussten nur noch, dass uns ein gewisser Herr Isaak am Vorabend mit in dieses Lokal genommen hatte, von dem jedoch jede Spur fehlte. Manche aus unserer Gruppe wurden von grauenhaften Vision geplagt, in denen ihnen Finger einfach abgebrochen oder das Gesicht mit Folterinstrumente abgeraspelt wurde.

Als wir schließlich die Kneipe verließen, stellten wir rasch fest, dass uns ein seltsamer Mann folgte, der sich als eine Art Alchimist herausstellte, als wir ihn aufhielten und zur Rede stellten. Er erzählte uns, dass die Legende vom Prager Golem wahr sei und wollte uns Informationen entlocken, ohne selbst viele preiszugeben. Er verriet uns jedoch, dass scheinbar dieser mysteriöse Herr Isaak ein Golem sei und es wohl noch mehr von ihnen in der Stadt gäbe. Dann drehten wir den Spieß um und entlockten ihm Hinweise auf die Quellen seines Wissens, ohne ihm jedoch zu vertrauen und ihn weiter einzuweihen.

Während ein Teil der Gruppe nach Isaak suchte, begab ich mich mit den Übrigen in die altehrwürdige Prager Universitätsbibliothek, wo sich mit Charme, Finanzkraft und Bibliothekswissen schließlich ein in Jiddisch geschriebenes Buch fand, welches Aufschluss über die Golem-Legende gab. Zeitgleich fanden die Anderen Herrn Isaak, der sich tatsächlich als Golem zu erkennen gab. Er bestätigte unsere Befürchtung, dass seine Gefährten, die anderen Golems, in unsere Körper gefahren wären, und wir uns daher langsam selbst in Golems verwandeln würden. In dem Buch, das wir gefunden hatten, befand sich die Anleitung zu einem gefährlichen Ritual, um Golem und Mensch wieder zu trennen. Obwohl man sich dafür eine Eisenstange in den Bauchnabel rammen musste, taten wir letztlich allesamt, was getan werden musste, und konnten unser altes Selbst zurück erlangen.

Das Abenteuer hat super Spaß gemacht. Einerseits, weil unsere Gruppe von Ermittlern gut als Team zusammengearbeitet hat, und anderseits, weil wir einen tollen Spielleiter hatten. Ich hatte ihn vor Jahren schonmal auf der RPC kennengelernt, ebenfalls beim Cthulhu, und war froh, diese alte Bekanntschaft neu aufzufrischen.

Frost Grave: Zwei Gruppen durchkämmen Ruinen nach Schätzen
Frost Grave: Zwei Gruppen durchkämmen Ruinen nach Schätzen

"Frostgrave" & "Dropzone Commander" Tabletop

Ich bin zwar nicht der größte Tabletop-Nerd, aber das liegt vermutlich nur an meiner Faulheit und Unfähigkeit, die Figuren ordentlich zu bemalen. Meine Descent-Miniaturen überfordern mich ja schon und rauben zu viel meiner Zeit.

Anders ist es da auf Conventions. Da bin ich immer sehr gern an entsprechenden Ständen, wo ich mir ein schnelles Testspiel ansehen und mit toll bemalten Miniaturen einfach sofort loslegen kann. Der taktische Aspekt von Tabletops spricht mich dabei auf jeden Fall an und so habe auf der RPC Frostgrave und Dropzone Commander gespielt.

 

Bei Frostgrave konnte ich leider aus zeitlichen Gründen nur einer kurze Einführung zuhören, doch das Setting und Konzept überzeugten mich dabei ganz und gar. Laut Story taut die Welt nach einer durch Magier herbeigeführten Frostapokalypse langsam wieder auf. Die wenigen Lebenden durchsuchen die Ruinen nach mächtigen Artefakten, die aus der Zeit dieser Magier stammen, und bekämpfen sich dabei bis aufs Blut. Solche Schatzsucher spielt man also und es geht meist darum, die Schätze zu finden, zu erbeuten und schließlich aus dem Spielfeld in Sicherheit zu bringen. Ein spannendes Konzept.

Gut gefallen hat mir dabei auch, dass es im Kampagnen-Modus spielbar ist, und man die Schätze, die man erbeutet hat, dann auch auswürfeln und in weiteren Gefechten einsetzen kann. Außerdem ist die Wahl der Miniaturen ziemlich frei, man kann da bunt mischen. Ich hätte beispielsweise einige aus Descent und Herr der Ringe nehmen und zusammen verwenden können. Auch das Artwork der Bücher war stimmungsvoll und ästhetisch ansprechend.

 

Zu Dropzone Commander erhielt ich eine super umfangreiche Einführung, die ich aufgezeichnet habe.

Spielbuch-Workshop und Lesung zu "Blutroter Karpatenschnee"

Ich weiß noch sehr genau, wie ich in den 90ern zu meinen Schulzeiten erstmals mit den damals im deutschsprachigen Raum noch ziemlich neuen "Abenteuer-Spielbüchern" konfrontiert wurde. Im Prinzip war das meine erste Begegnung mit Rollenspiel überhaupt.

Die Idee, in die Rolle eines Helden, der in einer Fantasygeschichte steckt, zu schlüpfen und dessen Handlungen selbst bestimmen (!) zu können, war einfach nur der Hammer und ich verschlang die Bücher der Reihe um den Hexenmeister vom Flammenden Berg etc. quasi im Handumdrehen und konnte nicht genug davon kriegen.

Mit meinem besten Freund zusammen schrieb ich damals, im zarten Alter von vielleicht 13 oder 14 Jahren, ein eigenes solches Buch mit über 1000 Abschnitten; für unsere damaligen Fähigkeiten ein echtes Mammutprojekt, das wir in über einem Jahr intensiver Arbeit zu stemmen vollbrachten. Als ich dann sah, dass es einen Workshop auf der RPC zu diesem meinem alten Lieblingsthema gab, konnte ich gar nicht anders, als mir den Timeslot frei zu halten und hin zu gehen.

Karl-Heinz Zapf und Nicolai Bonczyk, beides Urgesteine der Szene vom Mantikor-Verlag, gaben einen interessanten Einblick in die Entwicklung der Spielbücher von den Anfängen bis heute und verrieten vor allem handwerkliche Tipps und Tricks, konkrete Arbeitsweisen und potenzielle Stolpersteine für Autoren. Vieles davon war mir zwar nicht gänzlich neu, doch es war ein interessanter Einblick hinter die Kulissen und am Ende stellte sich Karl-Heinz Zapf auch noch einigen Fragen aus dem Publikum.

 

Zuvor war ich noch auf einer Lesung von Paul M. Herrmann aus seinem Vampirroman "Blutroter Karpatenschnee", den ich mir allein wegen dem Thema Rumänien/Transsilvanien unbedingt ansehen wollte. Ein kurzer Videoausschnitt zeigt einen Teil der etwa 30 Minuten langen Lesung. Eigentlich hätte ich hinterher noch gern kurz mit dem Autor über sein Buch geredet und ihn vielleicht sogar interviewt, doch aus Zeitgründen musste ich zum nächsten Termin weiter. So ist das eben am letzten Messetag, wo nochmal alles zusammenkommt und man noch möglichst viel sehen und mitnehmen will...

Foto mit einem der Gewinner des RPC-Awards 2018 von DGNFog
Foto mit einem der Gewinner des RPC-Awards 2018 von DGNFog

Illustratoren-Meile und Award-Gewinner

Zum Abschluss schlenderte ich noch durch die Illustratoren-Meile, in der zahlreiche wunderbare Künstler und Künstlerinnen ihre Meisterwerke präsentierten oder ihre Dienste feilboten. Malerei hat mich schon immer fasziniert, wenngleich, oder vielleicht gerade, weil ich auf diesem Gebiet selbst so wenig bewandert bin. Ich wollte ein Porträt von Chris Raven, meinem Alter Ego in Cthulhu und dem Protagonisten meines Romans "Die Rückkehr des Schwarzen Pharaos", malen lassen, doch leider war ich schon etwas spät dran und so nahm ich mir die Visitenkarten von zwei sehr netten Damen mit, die ich nach der Messe kontaktieren werde und die dann vielleicht auch das Cover für meinen Roman designen werden.

Das Beste hob ich mir zum Schluss auf, denn am Vortag verwies mich schon ein Freund auf den Stand von Dungeonfog und als ich dann auch noch erfuhr, dass sie den RPC-Award gewonnen hatten, musste ich erstrecht nochmal hin, bevor die Messe vorbei war. Die netten Herrschaften aus Österreich gaben mir tiefe Einblicke in ihr Projekt.

 

Die Jungs von dungeonfog.com haben ein Tool entwickelt, das sich momentan noch in der Beta befindet und für mich als Spielleiter sehr interessant ist. Es bietet vielerlei einfach zu bedienende Möglichkeiten, Bodenpläne und Karten für Rollenspiele fast jeglichen Settings (bislang Fantasy, SciFi und Victorian Age à la Cthulhu, später dann auch noch mehr) zu erstellen und auch aktiv beim Spielen zu nutzen. Ich hatte in der Vergangenheit bereits mit anderern derartigen Tools herumexperimentiert und die meisten davon auch als ganz brauchbar empfunden, das Hauptproblem dabei war jedoch meistens, dass man irgendwoher aus dem Internetz oder anderen Quellen die Bilder beziehen musste. Ein mühsamer und zeitraubender Prozess, der bei Dungeonfog einfach wegfällt, weil selbst die kostenlose Version mit einer Unmenge von Bildmaterial daher kommt, das einfachen Ansprüchen genügen dürfte. Wer mehr Auswahl braucht oder möchte, der kann diese mit einem recht günstigen monatlichen Abo freischalten, welches im Moment wirklich empfehlenswert ist, da es, so lange sich das Projekt noch in der Beta befindet, noch gar nichts kostet und erst ab dem offiziellen Launch berechnet wird.

Die ambitionierten Österreicher stecken bis zum Hals im Arbeit und sind voller kreativer Ideen und so sollte dem Release in einigen Monaten wohl nur noch wenig im Weg stehen. Ich fand das Projekt jedenfalls klasse und werde es auf jeden Fall in der Beta testen und Feedback liefern, um manche Dinge noch zu verbessern und eventuell vorhandene Bugs zu finden und zu fixen. Ein würdiger Sieger des diesjährigen RPC-Awards!

 

Fazit

Die RPC 2018 ist vorbei, wie immer viel zu schnell vergangen, doch ich hatte eine super Zeit und werde auch nächstes Jahr ganz sicher wieder mit von der Partie sein. Für mich ist es DIE Messe, auf der ich mich als Nerd total austoben kann, egal ob es dabei um gutes altes Pen-and-Paper-Rollenspiel, Tabletop oder Brett- und Kartenspiele geht. Ich freue mich daher schon wie Schnitzel auf nächstes Jahr. Nach der RPC ist ja bekanntlich vor der RPC. In diesem Sinne, bis dann Köln!

Abschiedsbild vom Kölner Dom im Morgennebel am Montag, dem Tag 1 nach der RPC
Abschiedsbild vom Kölner Dom im Morgennebel am Montag, dem Tag 1 nach der RPC

RPC 2018 Aftermovie