Richard Lee Byers

"Ire of the Void"


 Metadaten zum Text

Originaltitel: Ire of the Void

Originalsprache: Englisch

Übersetzung(en): keine

Autor: Richard Lee Byers

Erscheinungsjahr: 2017

Verlag: Fantasy Flight Games

Format: A5-Hardcover, 122 Seiten

 

 

Über den Autor

Richard Lee Byers, geboren 1950, ist ein US-amerikanischer Fantasy- und Science-Fiction-Autor. Er ist in Fankreisen vor allem durch seine Werke zu den Forgotten Realms (das Standard-Setting des vermutlich populärsten Rollenspiels Dungeons & Dragons) bekannt.

 

 

Arkham Fiction

Unter dem Überbegriff "Arkham Fiction" führt der Verlag Fantasy Flight Games sämtliche Bücher und andere Publikationen zu seinen Brett- und Kartenspielen der Arkham-Files-Reihe.


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Review zu Richard Lee Byers: "Ire of the Void"
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Der Plot

Norman Withers, der Protagonist der Novelle, ist eine belächelte Gestalt an der Miskatonic Universität in Arkham. Der Astronom machte einst eine bahnbrechende Entdeckung, als er ein neues Sternbild fand. Kurze Zeit später verschwand dieses seltsamerweise wieder vom Himmel und war nicht wieder auffindbar. Withers‘ Theorien zu diesem Phänomen machten ihn zum Gespött der Fachwelt und zu einem isolierten Außenseiter. Besessen vom Forscherdrang und der Suche nach der Wahrheit, gab er dafür alles auf, letztlich auch seine Ehe. Zu Beginn der Geschichte weiß Norman noch nichts über die (Lovecraftsche) Welt des Mythos und versucht, für alles eine wissenschaftliche und rationale Erklärung zu finden.


Ausgerechnet mit dem Auftauchen eines hochgelobten Schützlings von Albert Einstein beginnt sich das jedoch zu ändern. Schmidt, so der Name des deutschen Neuankömmlings, führt Withers im Zuge seiner eigenen Nachforschungen an Orte in Arkham, wo sich in der Vergangenheit seltsame Ereignisse gehäuft haben. Menschen kamen auf rätselhafte Weise ums Leben oder verschwanden spurlos und wurden nie wieder gesehen. Schmidt hat selbst einige Theorien zur Raum-Zeit, die ihn an den Rand der Lächerlichkeit brächten, wenn er diese publizieren würde. Daher will er erst stichhaltige Beweise für seine Thesen finden.


Allerdings wird ihm genau das zum Verhängnis. Auf einer abgelegenen Farm führen Withers und Schmidt Messungen durch. Dabei finden sie nicht nur heraus, dass das angeblich seit Jahrzehnten leer stehende Gebäude mittlerweile von der Sheldon-Bande als Versteck für geschmuggelten Whisky benutzt wird. Es kommt auch zu einer hautnahen Begegnung mit den Mythoswesen, die für das Verschwinden so vieler Menschen verantwortlich sind: die dimensionsreisenden Hunde von Tindalos (erstmals erwähnt in Frank Belknap Longs 1929 erschienener Kurzgeschichte The Hounds of Tindalos, siehe auch meine Rezension dazu hier). Eines der Monster erscheint, tötet vor Normans Augen ein Mitglied der Sheldon-Bande und verschleppt Schmidt in seine Heimatdimension. Dem Professor gelingt gerade noch eine halsbrecherische Flucht.


Die Arkhamer Polizei, die verrückte Geschichten gewohnt ist, glaubt dem alten Astronom kein Wort und droht gar, ihn ins Sanatorium einweisen zu lassen, wenn er auf seiner Version beharrt. Nachdem Withers der Polizei und der Presse eine leichter verdauliche Story auftischt, folgt er weiter den Spuren, die Schmidt gesammelt hat.


Dabei stößt er auf den reichen Exzentriker Stane. Dieser lebt seit einem schrecklichen Vorfall, bei dem seine Verlobte tragisch ums Leben kam und er selbst schwer verletzt wurde, zurückgezogen in Arkham. Withers beschließt, ihm einen Besuch abzustatten, denn er ist überzeugt, dass der Mann einen Angriff durch die Hunde von Tindalos überlebt hat.


In Stanes Haus stellt der Professor erstaunt fest, dass die Ecken in sämtlichen Räumen verputzt wurden, um aus den Kanten runde Übergänge zu machen (genau wie Halpin Chalmers, der Protagonist von Longs Geschichte sich vor den Angriffen der Hunde zu schützen versucht). Withers erfährt, dass Stane tatsächlich eine Begegnung mit den „Hunden“ überlebt hat. Letzterer erzählt ihm außerdem, dass die Bestien durch Raum und Zeit reisen können, jedoch nur über Winkel und Ecken. Krümmungen und runde Formen dagegen stellen für sie unüberwindbare Hindernisse dar. Der Astronom fragt nach der Heimatwelt der fremden Wesen, weil er einen verrückten Rettungsversuch für Schmidt wagen will.


Daraufhin zeigt sich, dass Stane seit dem Angriff durch die Hunde völlig verrückt geworden ist. Er hatte niemals vor, Withers wieder gehen zu lassen. Vielmehr bedroht er ihn mit einer Schusswaffe und sperrt ihn in eine Art Gefängniszelle, den einzigen Raum des Hauses, in dem die Ecken absichtlich nicht abgerundet sind. Mittels einer magischen Beschwörungsformel und der okkulten Zeichen an den Wänden von Normans Zelle ruft Stane einen Hund von Tindalos herbei. Es stellt sich heraus, dass der Verrückte den Hunden regelmäßig Opfer zum Fraß vorwirft, damit sie ihn verschonen, denn sie verfolgen ihn noch immer, seit er ihren ersten Angriff überlebt hat. Withers schafft es jedoch, Stane zu überlisten. Es gelingt ihm, aus der Zelle zu entkommen und stattdessen den Hausherrn dort einzusperren, woraufhin dieser kurz danach schreiend von einem Hund zerfetzt wird.


Withers hat aus nächster Nähe miterlebt, dass es so etwas wie Magie tatsächlich gibt. Aus den Büchern des Fremden (okkulte Mythoswerke, allen voran das berüchtigte Livre d’Ivon) schreibt er sich eine Formel ab, die ihm dabei helfen soll, unbeschadet nach Tindalos zu reisen und Schmidt zu retten.


Nachdem sich der Professor mit genug Feuerkraft eingedeckt hat, um einen Kleinkrieg zu starten, kehrt er zu der Scheune zurück, in der Schmidt verschwand. Mittels des Zauberspruchs aus Stanes Buch gelingt es Withers tatsächlich, wie die Hunde durch das Kontinuum der Raum-Zeit zu reisen. Letzteres ist ein Labyrinth aus zahlreichen verschlungenen, sich immer wieder kreuzenden Pfaden. Manche davon verlaufen gekrümmt, andere wiederum durch Ecken und Winkel.


Nach einer fast tödlichen Begegnung mit einem Satyr (abscheulichen Monstern, die wie die Hunde das Labyrinth bereisen, jedoch nur durch die gekrümmte Zeit) erreicht der Astronom schließlich Tindalos, die Heimatwelt der Hunde. Zu Withers‘ Glück scheinen gerade alle Bewohner im Labyrinth oder in anderen Welten auf der Jagd zu sein. So findet er rasch Schmidt, der tatsächlich noch lebt. Nach der Befreiung erfährt der Professor von dem Deutschen, dass die Hunde ihn nur verschont haben, um auf telepathischem Weg Informationen aus seinem Geist zu saugen.


Nach einer halsbrecherischen Flucht durch Tindalos und das Labyrinth zwischen den Welten erreichen die beiden Wissenschaftler die Scheune am Rande von Arkham. Zuvor mussten sie alle Feuer- und Muskelkraft aufwenden, denn die Hunde hatten sie mittlerweile gewittert und waren ihnen dicht auf den Fersen. Eines der Wesen, das ihnen den Rückweg nach Arkham versperren wollte, konnten sie dabei mit vereinten Kräften überwältigen.


Doch die Scheune ist noch nicht die ersehnte Rettung. Die im Livre d’Ivon beschriebenen Verbündeten der Hunde, riesige, wurmartige Kreaturen namens Dholen, lauern den beiden Männern auf. In Manier eines Pulp-Actionfilms schafft es der alte Astronom jedoch, den Angriffen der Dhole auszuweichen und sie (mitsamt der ganzen Scheune) mittels Dynamit in die Luft zu sprengen. Danach vernichten die beiden Wissenschaftler alle weiteren ihnen bekannte Zugänge der Hunde nach  Arkham, indem sie die verbleibenden Häuser auf Schmidts Liste einfach niederbrennen.


Withers kehrt als gefeierter Held zurück, der Schmidt angeblich verletzt und verwirrt nahe der Scheune im Wald gefunden hat. Polizei, Presse und Universität geben sich mit der fingierten Story zufrieden, lediglich ein Zeitungsreporter hegt leise Zweifel.


Schmidt kehrt nach Deutschland zurück, während Withers die okkulten Werke zu studieren beginnt, die er aus Stanes Bibliothek mitgenommen hat. Wo die Wissenschaft keine Antwort mehr wusste, werden möglicherweise die Werke des Mythos Licht ins Dunkel bringen und ihm dabei behilflich sein, das Mysterium der sechs verschwundenen Sterne zu lösen…


Fazit

Die Novelle ist recht kurzweilig und solide geschrieben. Bis auf ein paar kleine Schwächen ist sie sprachlich okay, aber eben auch kein überragendes literarisches Meisterwerk. Arkham und der Protagonist sind gut dargestellt, ebenso die Hunde als Wesen des Mythos.


Der intertextuelle Bezug zu Frank Belknap Longs Original über die dimensionsreisenden Bestien ist unübersehbar. Byers kannte die Geschichte sicherlich und hat sich an der Vorlage orientiert. Dass Schmidt ein Schüler Einsteins ist, ist vermutlich eine Hommage an Long bzw. eine Anspielung auf dessen Text, diskutiert Chalmers, der Protagonist von Longs Geschichte, doch mit dem Erzähler über die Theorien des deutschen Physikers zur die Beschaffenheit der Raum-Zeit.


Das Arkhamer Lovecraft-Setting und Flair der 1920er Jahre werden recht gut vermittelt. Was mich persönlich an der Story störte, war jedoch das Happy End – was es bei Lovecraft so quasi nie gibt – und die zu schwache Bedeutung des Mythos bzw. des Cosmic-Horror-Konzepts. Nicht nur kommt der eigentlich recht rational denkende Uniprofessor geistig erstaunlich schnell mit Magie, anderen Dimensionen und grauenhaften Wesen des Mythos zurecht, auch wird Withers am Ende als ältlicher Akademiker zudem fast schon slapstickhaft zum Helden eines Pulp-Actionfilms, nicht nur wenn er Stane überwältigt, sondern auch im Kampf mit einem der Hunde und vor allem in der Szene mit dem Dynamit und der Dhole.


Erwähnenswert ist noch, dass die Novelle Teil einer größeren fiktiven Welt ist, denn Norman Withers ist ein spielbarer Charakter aus der Arkham-Files-Reihe. Letztere ist benannt nach zahlreichen Brett- und Kartenspielen, die allesamt in und um Arkham in einem Lovecraft-Setting spielen.


Äußerst positiv anzumerken sind noch einige Farbdokumente, die der Novelle am Ende als eine Art Epilog beigefügt sind. Dabei handelt es sich um einen Zeitungsbericht, der die Suche nach dem vermissten Schmidt thematisiert, und um ältere Berichte, die vom mysteriösen Verschwinden einiger Bewohner von Arkham künden. Auch wird dem Leser ein kurzer Einblick in das Tagebuch des verrückten Stane und in Withers Aufzeichnungen zu seiner Suche nach den verschwundenen Sternen mithilfe der Werke des Mythos gewährt.


Abschließend würde ich sagen, dass Ire of the Void insgesamt ein solides Werk ist, das jedoch an manchen Stellen noch etwas besser ausgearbeitet oder umgesetzt hätte sein können. Für Fans der Arkham-Files-Spiele oder großen Lovecraft-Enthusiasten, die einfach nicht genug von der Welt des Mythos kriegen können, ist es aber auf jeden Fall eine Empfehlung wert!