Henry David Thoreau

"Walden"

(1854)


Über den Autor

Henry David Thoreau (1817-1862) war ein amerikanischer Autor des 19. Jahrhunderts, der politisch-philosophische Texte schrieb.

 

Amerikanischer Transzendentalismus

Thoreau kann zu den Autoren des amerikanischen Transzendentalismus gerechnet werden, einer vom deutschen Idealismus (Kant, Schelling) beeinflussten philosophischen Strömung. Neben "Walden" erlangte besonders sein Essay mit dem Titel "Civil Disobedience" (=ziviler Ungehorsam) große Aufmerksamkeit. Männer wie Mahatma Ghandi und Martin Luther King Jr. formten ihre Ideale und Bewegungen unter anderem auf den von Thoreau darin formulierten Ideen.

 

Rückzug in die Wälder

Der Entstehung von "Walden" ging ein fast zweijähriger Prozess voran, indem sich Thoreau in die Wälder um seine Heimatstadt Concord (Massachusetts) zurückzog. Dort erbaute er sich auf dem Grundstück seines Freundes Ralph Waldo Emerson am Ufer des Walden Pond eine Hütte, in der er für 27 Monate lebte. Nach seiner Rückkehr in die Zivilisation entstand aus seinen Tagebuchaufzeichnungen und Notizen der Text "Walden", welcher anfänglich noch den Untertitel "Life in the Woods" trug. Letzterer wurde jedoch auf Wunsch des Autors später entfernt.

 

Diskurse des Textes

Die Erzählung behandelt keinen Plot, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Daher ist es zielführender, über die Diskurse, die der Text verhandelt, zu reflektieren. Der Autor selbst hat sein Werk in mehrer Kapitel unterteilt, die er auch benannt hat.

"Economy" (Wirtschaft) ist dabei das längste. Darin beschreibt Thoreau die Umstände, unter denen es ihm konkret möglich war, in den Wäldern von Condord zu (über)leben. Aber er denkt auch über zeitgenössische ökonomische Diskurse nach, indem er beispielsweise die Folgen der amerikanischen Industrialisierung für einfache Arbeiter, die am Eisenbahnbau beteiligt waren und danach ihre Arbeit verloren haben, problematisiert. Insgesamt kann das ganze Werk als sehr sozialkritisch angesehen werden.

Weitere Themen, die Thoreau in eigenen Kapiteln beschreibt, sind u. a. die Bücher, die er in jener Zeit las ("Reading"), die Geräusche der Natur ("Sounds"), Einsamkeit ("Solitude") und Besucher ("Visitors"), konkrete Alltagsprobleme wie (tierische) Nachbarn ("Brute Neighbors") oder das Heizen ("House-Warming"), sowie das langsame Beobachten des Voranschreitens der Jahreszeiten ("The Pond in Winter", "Spring").

 

Rezeption und Wirkung

Schon zu Lebzeiten, selbst noch bevor aus den losen Notizen und Tagebucheinträgen ein literarisierter Text wurde, las Thoreau seinen Mitbürgern aus "Walden" vor und berichtete so von seinen Erfahrungen und dem alternativen Lebensmodell (Leben im Einklang mit der Natur), das er damit erproben wollte. Heutzutage ist "Walden" ein echter Klassiker der amerikanischen Literatur und aus den Lehrplänen von Schulen und Universitäten kaum noch wegzudenken. Auch in der jüngeren Vergangenheit zeigt sich die Wirkung von Thoreaus Werk, denn für die 68er-Bewegung oder Umweltaktivisten ist "Walden" noch immer ein Quell der Inspiration. Somit hat sich der Text mittlerweile auch im Kanon der Weltliteratur etabliert.