James Hilton

"Lost Horizon"


Über den Autor

James Hilton (1900-1954) war ein britischer Autor, der später in die USA auswanderte, und auch unter dem Pseudonym Glen Trevor schrieb.

 

Die Erzählsituation

Der Roman unterteilt sich in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung. Den Rahmen bildet dabei ein Treffen britischer Gentlemen im Berliner Tempelhof. Der Erzähler, erfährt nach der Begegnung mit seinem alten Bekannten Rutherford vom Schicksal des britischen Diplomaten Hugh Conway. Rutherford traf letzteren ohne Gedächtnis in einem chinesischen Missionskrankenhaus an. Nach Conways Genesung erzählte dieser ihm zunächst seine Geschichte und verschwand darauf.

Die Binnenerzählung stellt Conveys Geschichte dar, vermittelt von einem auktorialen Erzähler in der dritten Person, wobei die Sichtweise auf die des Protagnoisten fokalisiert ist.

 

Der Plot

Im Zuge der indischen Revolution, werden der britische Diplomat Convey, sein Mitarbeiter Mallinson, der Amerikaner Barnard und die Missionarin Miss Brinklow aus Baskul evakuiert. Im Flugzeug stellen sie jedoch fest, dass der Pilot ein Unbekannter ist und sie, statt sie zu retten, über die Berge des Himalaya entführt. Durch einen Zwischenfall stürzt das Flugzeug ab und der Pilot stirbt.

Die letzten Worte des Fremden deuten auf einen Ort namens Shangri-La in der Nähe hin, wo sie Schutz vor der Kälte und den tödlichen Stürmen finden können. Die Überlebenden machen sich auf die Suche danach und werden rasch von einer Delegation empfangen. Chang, ein Chinese, der erstaunlich gut englisch kann, bringt die Gruppe mit seinen Leuten nach Shangri-La.

Der Ort liegt im Tal des Blauen Mondes, am Fuße eines Berges, der möglicherweise noch höher als der Everest ist, und ist völlig abgeschottet von der Außenwelt und Zivilisation. Ein buddhistisches Kloster und fruchtbare Plantagen, die ausreichend Nahrung liefern, sowie immense Goldvorkommen bilden die Szenerie.

Während Mallinson nur nach Möglichkeiten der Rückkehr in die Heimat sucht und Chang und den Mönchen misstraut, die zwar sehr gastfreundlich sind, aber ansonsten keine Anstalten machen, ihnen dabei zu helfen, nach Indien zurückzureisen, arrangieren sich die anderen drei rasch mit den lokalen Gegebenheiten.

Bereits nach kurzer Zeit empfängt der oberste Lama Conway, eine nie zuvor dagewesene Ehre. Der weise Alte erzählt ihm in zahlreichen Gesprächen viel über die Philosophie von Shangri-La. Conway lernt, dass alles, selbst Tugend und Asketismus, mit Mäßigung zu genießen sind. Auch erfährt er die lange Geschichte des Ortes. Der oberste Lama offenbart sich dabei als früherer christlicher Bruder namens Perrault, der mittlerweile durch das Leben in Shangri-La über 250 Jahre alt ist. Er kennt das Geheimnis extremer Langlebigkeit und will, dass Convey sein Nachfolger wird.

Als Perrault stirbt, ist von den Überlebenden allein Mallinson noch immer gewillt, zurückzukehren. Der Rest der Gruppe ist verzaubert von Shangri-La und möchte aus den unterschiedlichsten Gründen dort bleiben. Doch der lange erwartete Versorgungskonvoi aus dem Flachland trifft endlich ein und Mallinson sieht seine Gelegenheit zur Flucht gekommen. Er überzeugt Convey, mit ihm und Lo-Tsen, einem jungen Mädchen, in das beide verliebt sind, Shangri-La zu verlassen.

 

Die Unzuverlässigkeit der Erzählung - Was ist wirklich in der Romanwelt passiert?

Im Epilog debattieren Rutherford und der Erzähler über die Wahrscheinlichkeit von Conveys Geschichte. Hat sich das wirklich alles so zugetragen? Gibt es Shangri-La tatsächlich oder entspringt der Ort nur Conveys Geist, der nach traumatischen Ereignissen im 1. Weltkrieg nicht mehr völlig intakt ist?

Rutherford berichtet dem Erzähler davon, wie er versucht hat, allerlei Beweise zu finden und wie er Conveys Spuren gefolgt ist. Er führt dabei zahlreiche Argumente für und wider an, nennt Zeugen und deren Aussagen, aber letztlich bleibt die Sache unentscheidbar. Der Leser selbst ist gefragt, für welche Variante der Geschichte er sich entscheidet, denn der Autor lässt beide Varianten bewusst offen.

 

Shangri-La, ein Synonym für Utopia

Der mystische Ort Shangri-La ist mittlerweile zu einem feststehenden Begriff, zu einem Synonym für ein Utopia geworden. Es ist eine Art abgeschiedenes Paradies, eine heile Welt fernab von Krieg, der sogenannten "Zivilisation", an dem Harmonie und Einklang herrschen und materielle Bedürfnisse fern und überflüssig erscheinen.

James Hilton zeichnet ein interessantes Bild, welches man auch aus seiner Zeit heraus verstehen muss. 1933 deutete sich mit dem Aufstieg Hitlers der nächste große Krieg in Europa bereits an. Der oberste Lama prophezeit diesen Convey gar in kryptischen Worten. Als Gegenentwurf zu dieser Welt und Zeit ist Shangri-La zu verstehen. Der Tod ist nur ein fernes Schreckgespenst, durch die Entschleunigung und das Geheimnis schier ewiger Jugend verliert die Zeit ihre Macht über den Menschen. Letzterer kann sich nun frei von weltlichen Sorgen der Ausbildung seiner spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten widmen. Die Bibliothek von Shagri-La bietet eine umfassende Sammlung der größten Werke der Weltliteratur und unter den Bewohner leben geniale Zeitgenossen wie etwa ein Schüler Chopins, der unveröffentlichte Stücke des Meister von unsagbarer Schönheit spielen kann.