Ambrose Bierce

"An Occurance at Owl Creek Bridge"


Über den Autor

Ambrose Bierce (1842-1914) war ein amerikanischer Autor und Journalist. Er schrieb vor allem über den Bürgerkrieg in den USA und verschwand im Zuge der mexianischen Revolution.

 

Der Plot

Die Kurzgeschichte spielt während dem amerikanischen Bürgerkrieg und gehört Bierces Geschichtensammlung "Tales of Soldiers and Civilians" an.

Der Protagonist, Payton Farquhar, ein Plantagenbesitzer in den Südstaaten erwartet seine Hinrichtung. Er soll von Soldaten des Nordens von einer Eisenbahnbrücke herab gehängt werden.

Kurz vor seinem Tod denkt er in einem Rückblick an sein Haus und an seine Frau. Der Leser erfährt, wie der Protagonist in die missliche Lage geraten ist: Eines Tages kam ein als konföderierter Soldat verkleideter Spion aus dem Norden zu seiner Plantage. Er erzählte dass der Feind bald über die nahe Eisenbahnbrücke Nachschub erhalten werde. Nachdem der Mann fortreitet, beschließt Farquhar, die Brücke zu sabotieren, doch er wird dabei gefasst.

Die Erzählung wechselt zurück in die Gegenwart und das Seil, an dem der Protagonist hängt, reißt scheinbar. Er stürzt in den Fluss und weicht dabei den Kanonen- und Gewehrsalven, die die Soldaten auf ihn abfeuern aus. Im Schutz eines Felsens geht er an Land und flieht durch die Wälder. Den ganzen Tag rennt er weiter und in der Nacht beginnt er zu halluzinieren. Als er am nächsten Morgen die Plantage erreicht und seine Frau umarmen will, spürt er einen stechenden Schmerz in seinem Nacken. Es stellt sich heraus, dass Farquhar es gar nicht geschafft hat, den Soldaten zu entkommen. Die abenteuerliche Flucht spielte sich lediglich in den letzten Momenten vor dem Tod in seinem Geist ab. Der Protagonist stirbt.

 

Ein Modellbeispiel für unzuverlässiges Erzählen

In der Erzähltheorie wird Bierces Text oftmals modellhaft als Beispiel für typisches unzuverlässiges Erzählen herangezogen. Wenngleich am Ende klar wird, dass alles nur eine Halluzination war, und es somit keine verschiedenen Lesarten gibt, die (gleichranging) miteinander konkurrieren, setzt Bierce doch im Laufe des Textes Elemente der Unzuverlässigkeit geschickt ein, um beim Leser den Eindruck zu erwecken, dass sich die beschriebenen Ereignisse gerade tatsächlich in der Romanwelt ereignen. Der Übergang zwischen dem, was äußerlich vorgeht, und dem inneren Erleben der Hauptperson, auf deren Perspektive die Erzählung fokalisiert ist, findet fließend statt und ist literarisch meisterhaft in Szene gesetzt. Es ist nahezu unmöglich, genau zu sagen, wo das Eine endet und das Andere beginnt.