Leipziger Buchmesse 2018

Winter is not coming, it's already here!

Ganz im Zeichen der Eiszeit stand wohl die diesjährige Leipziger "Frühlingsmesse", doch davon habe ich mich nicht abhalten lassen, vier Tage lang das Gelände unsicher zu machen. Meine kongenialen "partners in crime" waren dabei, wie auch schon im letzten Jahr, Aerith, Kani & SaT.

 

Danke auch an DeX für die Übernachtungsmöglichkeit und die super Runden Star-Wars-RPG und 5-Minute Dungeon. Doch nun ohne weitere Vorrede zu dem, was ich auf der Messe so erlebt habe!

Partnerland Rumänien

Das Schwerpunktthema der Messe war diesmal das Partnerland Rumänien. Für mich, als jemand der fünf Jahre vor Ende des Kommunismus in Bukarest geboren wurde, war dies ein besonderes Motto.

 

Was heißt es, zweisprachig und in zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aufge-wachsen zu sein? Was ist Heimat und was ist Identität? Was beudeten diese Begriffe für mich persönlich und konkret, jenseits der stupiden Pa-rolendrescherei tumber Populisten, die Sprache für ihre widerliche Hetze missbrauchen?

 

All diese Fragen stellte ich mir und reflektierte ich. So war es für mich natürlich und selbstverständlich, mir den Messestand anzusehen. Neben rumänischen, deutschen und zweisprachigen Büchern gab es vor allem zahlreiche Foren und Vorträge, die sich mit literarischen, aber auch politischen Themen beschäftigten. Dabei lernte ich einerseits neue Autoren kennen, z. T. wirklich rumänische, zum Teil aber auch solche, die eine ähnliche Familiengeschichte wie ich haben und daher (auch) auf deutsch schreiben. Ich bin mir sicher, dass ich ein Werk von Iris Wolff lesen werde und vielleicht wage ich mich sogar an den ein oder anderen lyrischen Text, denn das Rumänische hat, jenseits seiner anfänglichen Rauheit und Fremdheit, auch die allen romanischen Sprachen typische Melodik inne, mit der es in seinen Bann schlägt.

 

Von den Vorträgen will ich nur einige erwähnen, die exemplarisch für die Diskurse um das Land Rumänien stehen. Anton Roland Laub berichtete in "Mobile Churches. Die versetzten Kirchen von Bukarest" über eines der dunkelsten Kapitel der rumänischen Geschichte: Während der Ceausescu-Diktatur wurden zahlreiche Kirchen säkularisiert, um jeglichen (intellektuellen) Widerstand gegen den Kommunismus zu unterdrücken und im Keim zu ersticken. Um aktuelle Geschehnisse ging es in "Rumänien. Junges Leben heute. Mit oder ohne Zukunft?". Dabei stellte die Moderatorin der seit über zehn Jahren in Deutschland lebenden jungen Rumänin Cristina Arion Fragen zur momentanen politischen und wirtschaftlichen Lage im Land. Es wurde viel über Klischees und das Bild von Rumänien im Ausland geredet, aber auch über den erschreckenden Trend, der besagt, dass die junge und gut ausgebildete Generation lieber das Land verlässt und in den Westen geht, um sich dort zu verwirklichen, weil das in Rumänien sehr schwer ist.

#Netzwerken und Twitter

Neben einer Reise in meine eigene Vergangenheit und der Rückbesinnung auf meine kulturellen und familiären Wurzeln war auf der diesjährigen Messe vor allem das Thema Netzwerken für mich von zentralem Interesse. Ich schloss mich der lieben Kani auf dieser epischen Queste an, die sie mit mir teilte, und wir lernten dabei viele nette Leute kennen.

 

Nach dem interessanten Vortrag "Netzwerken im Literaturbetrieb" von Jasmin Zipperling war ich dann auch schließlich überzeugt, doch dem Netzwerk Twitter beizutreten, das ich bislang recht lange und konsequent gemieden hatte. Ich bin noch immer dabei, mich damit ein wenig zurecht zu finden, doch es ist auf jeden Fall ein interessantes Kommunikationstool, und ich bin froh darüber, den Schritt gewagt zu haben. Ansonsten habe ich viele Visitenkarten verteilt und eingesteckt, Leuten von meiner Website und meinen literarischen und wissenschaftlichen Projekten erzählt, im Gegenzug viel Interessantes über deren Werke erfahren und auch den ein oderen Kontakt mit Verlagen geknüpft, für die ich potenziell weitere Aufträge als Lektor oder Übersetzer übernehmen könnte.

 

Besonders erwähnt sei auch noch der Stand des Nornennetzwerks, zu dem es uns immer wieder hinzog. Dort lernte ich auch die bezaubernde Katrin Ils kennen, die mich - auch dank Kanis Vorschusslorbeeren! - davon überzeugen konnte, dem guten alten Fantasygenre, dem ich in den letzten Jahren etwas den Rücken zugekehrt hatte, eine neue Chance zu geben. Heute ist Katrins Roman "Unstern" in meinem Briefkasten gelandet und ihr werdet meine Rezension dazu bald im Literaturblog finden.

Lovecraft, Lee, Festa

Ein abschließendes Highlight bildete für mich definitiv der Vortrag "H. P. Lovecrafts Meisterwerke - Auf Cthulhus Spuren". Die vielleicht drei größten Experten zum Thema Vermarktung von Lovecrafts Werken in Deutschland, Frank Festa (Festa Verlag), Hannes Riffel (Golkonda Verlag) und Michael Görden (Fischer Tor Verlag) luden zu einem einstündigen interessanten Vortrag, den Hardy Kettlitz moderierte. Die Veranstaltung war ein buntes "Von A bis Z" rund um Lovecraft. Es ging von den ersten deutschen Übersetzungen des amerikanischen Horroautors im Deutschland der Nachkriegsjahre bis hin zu aktuellen Projekten wie der bei Festa erschienen Gesamtausgabe in fast 50 Bänden oder der Übersetzung von S. T. Joshis umfangreicher Lovecraft-Biographie. Der "Hype" um den Cthulhu-Mythos kam ebenso zur Sprache wie aktuelle gesellschaftliche Diskurse in den USA um Lovecrafts nicht mehr ganz mit dem heutigen Verständnis von political correctness vereinbare Haltung zu Einwanderern und Menschen anderer Ethnie oder Herkunft.

 

Am letzten Tag ging ich dann noch zum Festa-Stand, um mich, wie im Jahr zuvor schon, ausgiebig mit Verlagschef Frank Festa zu unterhalten, der meine große Leidenschaft zu Lovecraft und seinen Texten teilt und mit dem ich ein großartiges Gespräch führte. Während wir über Rezeptionstheorien zu Lovecrafts Texten und unsere Lieblingswerke des Autors sprachen, wurde ich dabei auf Edward Lee aufmerksam, der am Festa-Stand saß und Autogramme gab und Bücher oder Poster für seine Fans signierte.

 

Für die, die sein Werk nicht kennen, gibt es eigentlich nur eines zu sagen: Er ist der Meister des EXTREMEN Horrors! Viele seiner Titel sind in der Reihe "Festa extrem" erschienen und im normalen Buchhandel gar nicht erhältlich. Auch wenn ich bislang nur ein Buch von ihm gelesen habe und es mir oft zu krass war, mochte ich doch den Plottwist am Ende, der der sonst ziemlich splatter- und sexlastigen Geschichte überraschenderweise eine Wendung hin zum Lovecraftartigen gab. Wie sich dann im Gespräch mit dem sehr netten Virtuosen des Makabren herausstellte, ist er ebenfalls ein großer Fan und langjähriger Leser von Lovecraft und so fachsimpelten wir noch einge ganze Weile, bevor die restliche Schar seiner Anhänger ihn wieder zur Pflicht rief. Ich nahm noch ein Poster, eine Autogrammkarte und obiges Foto als Andenken mit und zog schließlich glücklich und zufrieden meiner Wege.

 

Die Messe war überstanden! Vier Tage Daueraction lagen hinter mir, doch ich kann nur sagen: Es war der Hammer! Ich bedanke mich bei allen, die diese Zeit in Leipzig für mich so unvergesslich gemacht haben. Die Buchmesse ist und bleibt meine Oase des Glücks, ein Rückzugsort aus dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags, ein Elysium, wo man Gleichgesinnte findet und einfach nur happy ist :)